Leseprobe: Dem süßen Tod entronnen

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Dem süßen Tod entronnen – Droge Zucker: Eine Frau kämpft ums Überleben

Aus dem Tagebuch der Ute Sugar: 23. Februar
Ich habe einen Hocker im Treppenhaus deponiert. In der 2. Etage. Da kann ich mich ausruhen. Es ist doch zu beschwerlich, die Treppen in einem Zug bis zu meiner Wohnung in der 4. Etage zu bewältigen. Ich schaffe das nicht mehr. Bekomme keine Luft. Wenn ich mit der Einkaufstasche in der 2. Etage ankomme, schnaufe ich wie ein Walross, mein Puls rast und mein Herz scheint mir aus dem Brustkorb springen zu wollen.
Apropos Herz: Die Pumpe in meinem überdimensionierten Körper ist arg in Mitleidenschaft gezogen. Vor mehr als einem Jahr merkte ich es zum ersten Mal. Im Brustkorb brannte es immer wieder und ich bekam oft Atemnot. Nicht mehr die normale, die ich immer beim Treppensteigen oder bei anderen Anstrengungen hatte, sondern extremer.
Als ich mich endlich entschloss, mit Dr. E. darüber zu sprechen, erwischte es mich eines Tages eiskalt. Im Supermarkt wurde mir plötzlich schwindlig, alles drehte sich und mein Brustkorb schmerzte so sehr, dass ich es kaum aushielt. Glücklicherweise waren sofort viele helfende Menschen um mich herum. Kurze Zeit später wurde ich ins Krankenhaus gebracht, wo man mir zwei Stents setzte. Zwei Stellen in einer Arterie waren so verengt gewesen, dass das Blut kaum noch hatte fließen können. Ein Herzinfarkt war es nicht, sagten die Ärzte, aber viel hatte nicht gefehlt.Wenn ich allein zu Hause gewesen wäre, als es passierte, wer weiß, ob ich jetzt noch leben würde. Ich war dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen.

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Krank durch Zucker

Unsere Essgewohnheiten sind heute anders als früher. Aufgrund von Zeitmangel und einem großen Angebot von Fertigprodukten nehmen wir zu viele leere Kalorien zu uns. Die aber machen müde, energielos. Das Fastfood vertragen wir nicht gut. Laut Schätzungen machen diese leeren Kalorien etwa 65% unserer Nahrung aus.
Unser Körper benötigt keinen zusätzlichen Zucker. Jedes Zuviel bringt unseren Blutzucker aus dem Gleichgewicht und führt zu einer Blutunterzuckerung.
Zuvor jedoch steigt der Blutzuckerspiegel rasch an, weshalb die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin ins Blut pumpt. Das Zuviel an Zucker führt zu einer vermehrten Absonderung von Insulin durch die Bauchspeicheldrüse, so dass der Blutzuckerspiegel unter den Normalwert abfällt und es zu Heißhungeranfällen kommen kann. Die Leistungsfähigkeit sinkt.
Hier kommt das Glukagon (ebenfalls Hormon der Bauchspeicheldrüse) ins Spiel. Es ist das Gegenhormon des Insulins. Die Bauchspeicheldrüse schüttet Glukagon aus, um den Blutzuckerspiegel nach dem Abfallen wieder anzuheben.
Wird nun dem Heißhunger nachgegeben und wiederum Zuckerhaltiges verzehrt, ist der Teufelskreis geschlossen. Auf diese Weise entsteht Hypoglykämie (Unterzuckerung), die nicht nur mit Heißhungerattacken, sondern auch mit Konzentrations-, Seh- und Schlafstörungen einhergehen kann sowie mit Gereiztheit, Vergesslichkeit und Launenhaftigkeit.
Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass schon geringe Mengen des sich im Körper befindlichen Insulins den Abbau von Fetten verhindert. Der Fettstoffwechsel wird gestört, das führt zu Blutverfettung, der Vorstufe der Arteriosklerose.
Wer zu viel Zucker isst, bei dem ist außerdem die Arbeit der weißen Blutkörperchen gestört, weshalb Viren und Bakterien gute Chancen haben.
Ein ständiges Auf und Ab des Blutzuckerspiegels kann zur Überlastung der Bauchspeicheldrüse führen. Das Organ streikt irgendwann und kann nicht mehr genügend Insulin produzieren. Dann entsteht Diabetes mellitus.