Rezensionen 2022

Quirliges Springen mit schnellen Fingern über die Tasten

Kammermusiksaal der Philharmonie: Axel Zwingenberger mit Boogie-Woogie Hits

Berlin, 7. Januar 2022. Axel Zwingenberger erfrischte uns mit flotten Rhythmen. Mich indes bereits zum zweiten Male. Vor gut 15 Jahren hatte ich ihn schon einmal erlebt und auch damals beeindruckte mich sein Spiel auf dem Flügel. Das hat natürlich auch etwas mit der Musik zu tun, der Boogie-Woogie ist aus Takt-Gründen an sich schon mitreißend, Axel Zwingenberger zelebriert diesen zudem vortrefflich, schiebt einen kleinen Blues dazwischen und erzählt über seine Sessions mit den Großen dieses Genres.
In das Spiel steigert er sich hinein, springt quirlig mit den schnellen Fingern über die Tasten, wippt dabei permanent mit dem rechten Fuß im auffälligen roten Lackschuh und ist selbst so begeistert vom Spiel und der Musik, dass es eine Freude ist, ihm sowohl zuzuhören als auch zuzuschauen. Und was ist anders im Vergleich zu früher? Nun er ist – wie wir alle – ein bisschen älter und grauer geworden, sein Spielfreude dagegen ist nicht gealtert und ergraut, sie ist ungebrochen und fasziniert. Sein Spiel ist – so scheint mir – noch virtuoser geworden. Ein Genuss also, diesem Meister auf den Tasten einmal mehr live zu erleben und schließlich selbst beschwingt und erhitzt in die kühle Januar-Nacht hinaus zu gehen. © Kerstin Weber

Western-Style, getunte Sprache und platte Witze

Berliner Ensemble: Enttäuschend niederschwelliger Klamauk mit dem Diener zweier Herren

Berlin, 8. Januar 2022. Eigentlich wollten sich keine schwarzen Worte auf weißen Untergrund bringen lassen für diese Inszenierung. Gedacht: Ja. Enttäuscht: Ja. Flüchten wollend: Ja. Und dann auch noch darüber schreiben: Nein. Und nun doch. Ein paar wenige Worte.
Am Anfang war es tatsächlich mein Fehler: Ich hatte da etwas anderes im Gedächtnis gehabt, als ich micht entschied, im Berliner Ensemble Goldonis Der Diener zweier Herren in der englischsprachigen Bearbeitung von Antú Romero Nunes zu sehen. Bauschen wir das anstrengende zweistündige Unten-Schauen-was-passiert und Oben-lesen-was-gesagt-wird nicht auf, es reicht, sich an Stück und Inszenierung aufzureiben.
Von Natur aus schon nicht hintergründig oder gar tiefsinnig (ja ja, das muss es auch geben), wurde das Ganze nun auch noch in den Western-Style gesetzt. Denke, denke: Warum? Keine Ahnung. Neben platten Witzen ward auch die Sprache getunt und platt, sehr gegenwärtig und bisweilen banal. Denke, denke: Warum? Keine Ahnung.
Dabei will ich ganz ausdrücklich betonen, dass die Schauspielerinnen richtig gut waren, insbesondere Stefanie Reinsperger, die ein großes komödiantisches Talent bewies.
Was da allerdings aufgebläht und nicht enden wollend über die Bühne tobte, war ganz einfach Klamauk. Na klar, der hat auch seine Berechtigung, wie so vieles heutzutage. Nur waren wir hier nicht in einem Theater, in welches wir genau deshalb gehen würden (rein theoretisch), wir waren im Berliner Ensemble. In DEM Berliner Ensemble!
Das passte also für mich nicht zusammen und so kippte mein Bild von diesem Theater, das für mich als eines der letzten der Hochkultur dieser Stadt galt, entschieden in die Schieflage (siehe Foto). Mal schauen, ob es sich bei den nächsten Besuchen wieder aufrichtet. © Kerstin Weber